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Handelsblatt: Rosneft stärkt sein Geschäft in Deutschland

Der russische Konzern will neue Kunden gewinnen und schließt Akquisitionen nicht aus.

Der deutsche Mineralölmarkt ist kein Hort großer Dynamik. Bekannte Namen wie Shell, BP und Total stehen auch hierzulande hinter dem Geschäft von der Raffinerie über den Firmenkunden bis zur Tankstelle. Doch zuletzt ist doch etwas Bewegung in das feste Gefüge gekommen: Rosneft Deutschland hat mit Marketingaktivitäten gestartet und geht direkt auf Kundenfang. Bislang hat die Deutschlandtochter des russischen Ölriesen ihre Produkte hierzulande ausschließlich über den Partner BP vertrieben. „Die Kunden freuen sich darüber, dass es einen neuen Wettbewerber im Markt gibt“, sagte Brian Chesterman, Chef von Rosneft Deutschland, dem Handelsblatt.

Rosneft war 2011 über ein Joint Venture mit BP in den deutschen Markt eingestiegen. „Das war für Rosneft ein wichtiger Schritt aus Russland heraus“, sagt Chesterman rückblickend. Die Kooperation mit BP habe über viele Jahre sehr gut funktioniert. Aber bereits 2015 habe man entschieden, in Deutschland auf eigenen Beinen stehen zu wollen. „Das haben wir nun planmäßig zum Jahreswechsel vollzogen. Das war ein logischer Schritt. Wir sehen es auch als ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland“, sagt Chesterman.

Rosneft ist in Deutschland an den Raffinerien PCK im brandenburgischen Schwedt mit 54 Prozent beteiligt, an der Bayernoil-Raffinerie in Vohburg mit 25 Prozent und an der Miro-Raffinerie in Karlsruhe mit 24 Prozent. Die Raffinerien produzieren ein breites Spektrum an Erdölprodukten – von Benzin und Diesel über Kerosin bis hin zu petrochemischen Erzeugnissen und Bitumen. Nach eigener Darstellung ist Rosneft Deutschland das drittgrößte Unternehmen in der Mineralölverarbeitung im deutschen Markt und einer der wichtigsten Großhändler.

Die russische Mutter gehört mit knapp 300 000 Mitarbeitern zu den weltweit führenden Öl- und Gaskonzernen. Gemessen an Reserven und Produktionsmenge ist Rosneft nach eigenen Angaben das größte börsennotierte Öl- und Gasunternehmen der Welt. Der russische Staat hält über JSC Rosneftegaz etwas mehr als 50 Prozent der Anteile, der BP-Konzern 19,75 Prozent. Vorstandschef ist Aufsichtsratschef ist Gerhard Schröder. Der Konzern ist von US-Sanktionen betroffen.

Russland ist mit großem Abstand vor Norwegen, Libyen und Kasachstan Deutschlands wichtigster Erdöllieferant. Besondere Bedeutung hat dabei die Druschba-Pipeline, die russisches Erdöl über drei Stränge nach Europa leitet, unter anderem zur PCK-Raffinerie in Schwedt, deren Mehrheitseigner Rosneft ist.

Als Händler will Rosneft Deutschland nun deutlicher als bislang in Erscheinung treten. Das Unternehmen vertreibt seine Produkte per Straße, Schiene, Binnenschifffahrt und Pipeline und hat nach eigenen Angaben mehr als 500 Kunden in Deutschland, Polen, der Tschechischen Republik, der Schweiz, Österreich und Frankreich. „Vordringlich geht es uns im Moment natürlich darum, unseren Kundenstamm auszubauen“, sagte Chesterman.
Aber auch Akquisitionen schließt der Manager nicht aus: „Wir sind immer offen für Möglichkeiten im Markt. Das gilt für Raffinerien. Man fragt uns aber auch regelmäßig, ob wir Tankstellen kaufen möchten. Wenn es eine günstige Gelegenheit gibt, prüfen wir die. Wir schließen nichts aus“, sagt er.

Branchenexperten begrüßen, dass Rosneft nun direkt an seine Kunden herantritt. Sie glauben allerdings nicht, dass der Markt dadurch nennenswert verändert wird. „Es ist aus Kundensicht zwar durchaus eine Verbesserung, dass ein Zwischenhändler ausgeschaltet ist“, sagt Eugen Weinberg, Analyst bei der Commerzbank. Umwälzungen werde das aber nicht und die Verfügbarkeit verändern sich nicht grundsätzlich“, sagte Weinberg.

Kraftstoff der Zukunft

Die wachsenden Anforderungen des Klimaschutzes sieht Deutschlandchef Chesterman gelassen. „Wir sind davon überzeugt, dass wir flüssige Kraftstoffe noch für eine lange Zeit brauchen werden. Für Schiffe, Flugzeuge, Lkws wie auch für Produkte für die Petrochemie gibt es wahrscheinlich auf längere Sicht keine Alternative zu Öl“, sagte er. Die Nachfrage nach fossilen Kraftstoffen werde sich nur langfristig verschieben.

Nach Überzeugung von Chesterman werden synthetische Kraftstoffe an Bedeutung gewinnen: „Wir sind davon überzeugt, dass sie in Zukunft eine wichtige Rolle spielen können. Aber im Moment sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen noch nicht gegeben, um in die Produktion synthetischer Kraftstoffe einzusteigen“, sagte er. Dazu bedürfe es einer Regulierung, die den synthetischen Kraftstoffen eine faire Chance gebe. „Bislang fokussiert sich die Politik in Deutschland im Mobilitätssektor sehr einseitig auf Batterien als Alternative zu fossilen Kraftstoffen. Wir wünschen uns eine technologieoffene Diskussion und Regulierung“, forderte Chesterman.

Klaus Stratmann Berlin, Handelsblatt Nr. 021 vom 30.01.2019 Seite 022
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